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Die Reformation (v. lat.: reformatio = Umgestaltung), ist eine Bewegung im Christentum des 16. Jahrhunderts, in deren Verlauf es zur Abspaltung von der römisch-katholischen Kirche und zur Entstehung der reformierten, lutherischen und anglikanischen Kirchen sowie einiger Freikirchen kam. Die gemeinsame Grundlage sehen die ersten beiden Strömungen in der Rückbesinnung auf die Bibel und der Abkehr von bestimmten Auswüchsen der katholischen Kirche. Eine Trennung von der Römisch-Katholischen Kirche war zunächst nicht die Absicht der Reformatoren. Die re-Formation ("Wieder-Formierung") sollte die ursprüngliche christliche Lehre in der katholischen Kirche wiederherstellen.

Die Reformation entstand nicht an einem Ort durch einen Menschen - es gab verschiedene Zentren und verschiedene Reformatoren, die von unterschiedlichen Voraussetzungen her kamen und in unterschiedlichen politischen Verhältnissen arbeiteten.Eine Vielzahl von Faktoren bereitete zu Beginn des 16. Jahrhunderts den Nährboden für die Reformation:

Verschiedene Steuern, Gebühren und Abgaben flossen in die päpstlichen Kassen. Diese wurden von vielen Fürsten als zu hoch empfunden. Die Praxis des Ablasshandels stand zunehmend in der Kritik.

# Die Übersetzung der Bibel ins Deutsche durch Martin Luther.
# Das seit Johannes Gutenberg wachsende Buchdruckerhandwerk begünstigte die Verbreitung neuer Ideen.

Der Augustinermönch Martin Luther litt und rang damit, sich Gottes Gnade durch eigene Anstrengungen verdienen zu müssen, bis er im Bibelstudium Römer 3, 28 entdeckte : So halten wir nun dafür, daß der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben. Die oft in den Vordergrund gerückten Mißstände der Römisch-Katholischen Kirche waren für Luther nicht der Auslöser der Reformation. Sein Problem war allein theologischer Natur. Seine Verwerfung des sich in Deutschland durch den Prediger Tetzel verbreitenden Ablasshandels und vieler anderer Traditionen der Kirche war die für ihn notwendige Folge seiner Auslegung der bereits von Paulus diskutierten Gerechtigkeit allein aus Glauben (Römer 1, 17: Denn im Evangelium wird die Gerechtigkeit Gottes offenbart aus Glauben zum Glauben, wie es in der Schrift heißt : Der aus Glauben Gerechte wird leben.)



Kritik an bestehenden Traditionen

* Luther unterzog die Traditionen der Kirche einer strengen Überprüfung. Messlatte war der Text der Bibel. Traditionen, die nach seiner Meinung der Schrift zuwider liefen, wurden abgeschafft. Er trat aber dafür ein, Traditionen, die nicht direkt auf der Bibel fußten, aber hilfreich für das Leben der Gläubigen waren, beizubehalten. So sprach sich Luther aus didaktischen Gründen gegen ein Bilderverbot in der Kirche aus.
* Ulrich Zwingli und Johannes Calvin lehnten alle Traditionen ab, die nicht in der Bibel begründet sind. Daher haben die reformierten Kirchen nüchterne Gotteshäuser, die höchstens mit Bibelsprüchen dekoriert sind; die Kirchenstruktur ist synodal, presbyterianisch oder kongregationalistisch strukturiert (ohne Bischof), Zwingli lehnte zeitweilig sogar Instrumentalmusik in der Kirche ab. Das Abendmahl ist eine Gedenkfeier.

Beiden Richtungen gemeinsam war die massive Kritik am Papsttum. Zugrunde liegt wieder ein theologisches Problem. Die Sonderstellung des römischen Bischofs wird traditionell begründet mit Matthäus 16,18 "Ich aber sage dir : Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen". Christus bezeichnet Petrus als Fundament der Kirche. Petrus wird später Bischof von Rom. Das wird als Einsetzung des Papstes durch Christus ausgelegt. Dieser wiederum hat stellvertretend für Christus die Vollmacht, weitere Priester zu ernennen. Dem stellt Luther Matthäus 18,19 gegenüber, wo die Gemeinde Christi als Versammlung von mindestens zwei Menschen unter dem Namen Christi definiert wird. In Verbindung mit Kapitel 12 des 1. Korintherbriefs wird die Vorstellung vom Laienpriestertum entwickelt. Der Pfarrer ist dann nicht mehr Nachfolger des von Christus eingesetzten Petrus, sondern das Glied der Gemeinde, das es am besten versteht, die Aufgaben des Pfarrers, wie Predigt und Seelsorge, wahrzunehmen. Dieses Gemeindemitglied hat seine Sonderstellung nicht aufgrund seiner Weihe, sondern aufgrund seiner Ausbildung.



Die radikalen Ansätze

Für radikale Reformatoren wie Thomas Müntzer, Andreas Bodenstein von Karlstadt, Menno Simons oder Jakob Hutter stand die Zeit unter apokalyptischen Vorzeichen. Sie deuteten die Ereignisse spiritualistisch und sahen ihre Aufgabe darin, dem in ihren Augen real hereinbrechenden Reich Gottes als einer endzeitlichen Herrschaft der Gerechtigkeit die Bahn zu ebnen. Sie suchten enthusiastisch die Schaffung endzeitlicher Strukturen. Die Gemeinden sollten aus, in wahrhaftigem Glauben, Getauften bestehen (Täufer), sie wirkten bis in die politischen Strukturen hinein und kehrten die sozialen und politischen Verhältnisse teilweise revolutionär um (Deutscher Bauernkrieg). Dies stieß nicht nur auf Seiten der sozialen Oberschicht und der katholischen Kirche auf heftigen Widerstand. Auch die Protestanten mit Luther an der Spitze riefen zur gewaltsamen Beendigung der Unruhen auf. Mit Waffengewalt bereiteten die fürstlichen Truppen den Aufständen ein Ende - die Täufer fanden erst als Auswanderer in Amerika religiöse Freiheit (Puritaner).



Die Reformation in England

Die Reformation in England wurde vor allem aus politischen Gründen ausgelöst. Allerdings hatten Theologen auch aus eigenen Gründen die Schriften und das Wirken von Martin Luther, Johannes Calvin, und Ulrich Zwingli mit Interesse verfolgt, und es kam vielen von ihnen nicht ungelegen, dass sich nun mehr die Gelegenheit bot, bestimmte Prinzipien, die vormals von Rom verboten waren, auch in England anwenden zu dürfen. So hatte es z.B. Versuche gegeben, die Bibel in englischer Sprache zu verbreiten (siehe John Wycliffe, William Tyndale). Diese endeten auch unter Heinrich VIII mit der Hinrichtung des Übersetzers. Erst unter Edward VI. wurden größere Reformen (z.B. das erste Book of Common Prayer) eingeführt. Mit seinem Tod wurde England unter der "blutigen Maria" wieder gewaltsam zur römischen Lehre zurückgeführt, aber mit der Nachfolge von Elisabeth I auf dem Thron wurde die Anglikanische Kirche endgültig in England etabliert.



Reaktion der katholischen Kirche

Die katholische Kirche versuchte zuerst zu überzeugen, dann verlegte sie sich auf politischen und kirchlichen Druck. Luther musste fliehen und überlebte nur durch fürstlichen Schutz. Zwingli gelang es, den Rat von Zürich von der Richtigkeit seiner Lehre zu überzeugen. Die Ideen der Reformation breiteten sich wie ein Lauffeuer aus - die Bevölkerung strömte zum neuen Glauben, Reichsstädte und Fürsten gingen auf die Seite der Reformation über. Der damalige Kaiser Karl V blieb katholisch, konnte sich jedoch nicht auf die Niederschlagung der Reformation konzentrieren, da ihn die Außenpolitik stark beanspruchte (Türkei, Frankreich). In der Folge leitete der von Ignatius von Loyola gegründete Orden der Jesuiten die Gegenreformation ein.


Um die Mitte des 16. Jahrhunderts kam eine zweite Generation von Reformatoren zum Zug. In Genf Calvin, in Zürich Heinrich Bullinger, der als Nachfolger von Ulrich Zwingli der Züricher Kirche vorstand. Deren Beitrag war es, die Reformation theologisch zu konsolidieren - Calvin mit seiner "Institutio", Bullinger mit dem "Zweiten Helvetischen Bekenntnis". Beide übten einen europaweiten Einfluss auf den Protestantismus aus. Aus ihren Lehren geht die Reformierte Kirche hervor.



Bedeutung und Folgen der Reformation

Die Reformation war einer der großen Wendepunkte in der Geschichte des Abendlandes. Für die Geschichte des Christentums bedeutete die Reformation den vorläufigen Höhepunkt einer Entwicklung, die von der beinahe vollständigen Allmacht der katholischen Kirche über die ab dem 13. Jahrhundert verstärkt formulierte Kritik an ihr (Averroismus, Jan Hus, John Wyclif,Wilhelm von Ockham) und die Bildung zahlreicher "häretischer" christlicher Glaubensgruppen bis hin zur endgültigen Spaltung der Christenheit führten. Die neu entstandenen Konfessionen konnten sich nach langem Ringen schließlich als gleichberechtigte Kirchen neben der katholischen etablieren. Da die neuen Konfessionen zu stark waren, um dauerhaft unterdrückt werden zu können, waren, obwohl es zahlreiche Rückschläge und sogar Religionskriege gab, beide Seiten auf Dauer zur religiösen Toleranz gezwungen. Die katholische Kirche verlor nicht nur in weiten Teilen Europas an Einfluss, sondern insbesondere auch ihr bis dahin beinahe unantastbares Deutungsmonopol für die Auslegung der Bibel. Die Reformation führte durch den Druck, der durch den schnellen Abfall ganzer Regionen vom Katholizismus verursacht wurde, auch auf katholischer Seite zu Reformen. Zwar wurde die christliche Religion durch die Reformation nicht grundlegend in Frage gestellt, dennoch wurden fundamentale Glaubenssätze und religiöse Praktiken, die jahrhundertelang als unumstößlich galten, erfolgreich von den Reformatoren und ihren Anhängern verworfen. Erstmals hatte sich eine von in der Kirchenhierarchie weitgehend unbedeutenden Personen geäußerte Kritik tatsächlich durchgesetzt. Die Autorität der Kirchen über die Gläubigen wurde zwar zunächst nur teilweise aufgebrochen, dennoch bereitete die Reformation den Weg zum Zeitalter der Aufklärung, in dem das Individuum in seiner persönlichen Freiheit deutlich aufgewertet wurde und in der schließlich selbst atheistische Weltbilder Anerkennung erfuhren, oftmals (wie in Frankreich von Voltaire) sogar zur Doktrin erhoben wurden. Doch die Reformation revolutionierte nicht nur das geistige Leben, sie setzte auch eine gesellschaftspolitische Entwicklung in Gang. Der Staat löste sich von der Bevormundung durch die Kirche, um nun seinerseits im Landesherrentum und Absolutismus die Kirche von sich abhängig zu machen. Doch auch dies stellte nur eine Übergangsphase in einer Entwicklung dar, die in vielen Ländern in die Trennung von Kirche und Staat mündete.




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