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Der Ritter ist ein sonderbares Wesen. Er hat viele Rechte, aber auch viele Pflichten.
Damit er im Kampf für seinen Herrn nicht kaputt geht, kauft er sich eine teure Rüstung. Und wehe, da kommt eine Beule rein !

Es ist natürlich schwieriger, eine Rüstung anzulegen, als eine Hose.
Für die Ritter unter Euch, die keinen Knappen haben, der sich mit den zig Einzelteilen herum schlagen muss, ist hier nun die erlösende Anleitung :



Unser Freiwillige ist Master John, denn er lief sowieso gerade auf dem Anwesen herum.
Seine Knappen sind alle schwer beschäftigt, so stellt er sich nun als Beispiel zur Verfügung. Damit er so schnell wie möglich fertig ist, bitten wir Euch, die ersten Schritte des Anlegens der Kleidung beim "Mann" anzuschauen.

Hier sehen wir Master John mit einem dünnen Wams, welches vorzugsweise mit weichem Stoff gefüttert ist. Man kann hier Seitensatin nehmen.
Ihr meint, das wäre zu teuer ?
Wer sich eine Rüstung leisten kann, kann sich auch Seide leisten. :-)
Warum der Stoff so weich sein sollte ist ganz einfach :
1. Man kann sich unter einer Rüstung nicht kratzen.
2. Die Rüstung kann scheuern, Leinenstoff wäre wie Scheuersand.
3. Es ist angenehmer zu tragen.



Er hat sich nun ein Rüstwams angezogen.
Rüstwams heißt es, weil es für das Tragen unter einer Rüstung konzipiert ist.
Es ist mit festen Nähten und zig äußerst stabilen Nestelschnüren, z.B. wie die Sehnen einer Armbrust versehen.
An den Stellen, wo die Rüstung scheuert, ist das Rüstwams extra gut gepolstert, denn was nützt einem ein Ritter, der vor lauter wunden Stellen kaum laufen kann.
Laufen...ja, ein Ritter kann laufen, trotz Rüstung. :-)
Und damit es schön luftig und weich ist, wird auch dieses Wams mit weichem Stoff gefüttert. Seidenatlas, oder Seitensatin eignen sich bestens. Zur Belüftung können unzählige kleine Löcher in das Wams geschnitten, und umnäht sein.
Kleiner Tipp am Rande :
Benutzt keine Kunstfaser ! Sie haut Euch aus den Panzerschuhen.

Unter den Armen, Achselhöhlen und Brustteilbereich ist das Rüstwams zudem mit einem Ringelpanzergeflecht, oder einfach, Teilen eines Kettenhemdes, versehen.
Dies sind die Stellen, die die später beschriebenen Plattenpanzerungen nicht bedecken.
So gibt es dort wenigstens einen Schneideschutz.
Der Kragen ist übrigens ebenfalls so geschützt,
weil ein Ritter ohne Kopf kein echter Ritter ( mehr ) ist.

Schön abpolstern sollte man auch die Knie, dies kann man mit Wickeln aus Wollstoff tun.

Die Schuhe sollten aus dickem Leder, und stabil gebaut sein.



Dem genauen Betrachter fällt der Unterschied auf.
Nun wißt Ihr, warum das Rüstwams über so viele Nestelschnüre verfügt.
Sie sind zum Anbringen verschiedener Rüstungsteile,
wie das Röckchen aus Kettengeflecht.
Die gibt es sogar als "Boxershorts", und schützen den Ritter an einer ganz bestimmten Stelle.

Ist man als Knappe nun an diesem Punkt angelangt, fängt man von unten an, die Rüstung anzulegen.
Zuerst die Schuhe, dann die Rüstungsteile für die Unterschenkel, Diechlinge für die Oberschenkel und Knieteile.
Die Diechlinge können dann auch nochmal am Rüstwams befestigt werden, muss aber nicht zwangsläufig.



Nun kommen die Panzerungen für Brust und Rücken, sie werden aneinander geschnallt.
Dieses Bruststück verfügt über sogenannte "Beintaschen", soetwas gibt es nicht bei jedem Bruststück.
Beintaschen geben dem Ritter nochmal etwas mehr Schutz.
Die Rüstungsteile sind übrigens nicht zwangsläufig so steif, wie man glauben mag, denn es gibt wahre Meister unter den Plattnern, die es verstehen, diese Stücke so zu bauen, dass sie ineinander leicht beweglich sind.
Diese "Geschübe" sind sehr hilfreich, und eigentlich ein absolutes muss.
Wie soll man sonst seine Arme , oder seine Beine bewegen ?! :-)
Mit dieser Technik sind auch Brust- und Rückenteile beweglicher.

Es gibt übrigens verschiedene Stile.
Master John trägt den gotischen Stil, er war im letzten Drittel des 15. Jh sehr beliebt und unglaublich teuer in der Herstellung, wegen den vielen Riffelungen und Verzierungen.
Der Stil zeichnet sich aber nicht nur durch den Preis und den Verzierungen im Allgemeinen aus, sondern auch durch seine markant-spitze Form, die sich auch in der Alltagsmode wieder findet, und sie sogar beeinflusst.

Auch interessant ist an dieser Brustplatte der kleine Haken rechts.
Er ist der sprichwörtliche Haken an der Sache, und wozu er gut ist, erfahrt Ihr am Schluss.

Das Anlegen der Arm- und Schulterteile werden hier nicht mehr gezeigt, aber das ist ja nun kein Problem schwer.
Zeigen wir nun das Endergebnis :



...Master John musste leider wieder zurück zur Arbeit, drum haben wir diesen Ritter von seinem Pferd gerissen...ähm...geholfen.
Bevor dieser Ritter nun noch wütender wird, schaut Euch schnell das Ergebnis an.
Auch dieser Herr hat einen Rüsthaken an der Brustplatte...ich kann es nicht lassen, drum werde ich gleich diesen Haken umklappen, das kann man nämlich, um zu sehen, was geschieht.
Deckung !!!

*Krach*
*Schepper*



Ohje !!!
Der Haken war ein Dosenöffner...und der Ritter...ist es ?
Nein, es ist nicht Master John, auch wenn er ihm recht ähnlich sieht...

Also :
Normalerweise ist der Rüsthaken ein Gebilde an einem Bruststück des Harnisches für Ritter, denn umgeklappt hilft er beim Umgang mit der Lanze.
So eine Lanze war nämlich recht lang und auch nicht gerade leicht, kein Wunder
bei einer etwaigen Länge von 3,5 Metern.
Wenn man, bzw. Ritter nun die Lanze anlegte, konnte er sie auf den Rüsthaken auflegen.



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