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Blick auf die Stadt vom Wearyall Hill aus
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Die Landschaft um Glastonbury herum ist sehr flach, und bis ins späte Mittelalter und die frühe Neuzeit hinein war die Stadt auch fast so etwas wie eine Insel. Aus diesem sumpfigen Boden stehen auch heute noch drei natürliche Hügel heraus: Wearyall Hill, Chalice Hill und am bekanntesten Glastonbury Tor. Es ist anzunehmen, dass hier einmal ein keltisches Dorf gestanden hat, aber die Geschichte des Ortes und der Gegend beginnt erst wirklich mit den Römern, die das Dorf wohl in einen Binnenhafen umwandelten. Das überflutete Land war damals mit Sicherheit beschiffbar, und über den naheliegenden Fluss, den River Brue, war es möglich, über den Kanal von Bristol in die Nordsee zu gelangen. In den Jahren nachdem die Römer England wieder verlassen hatten, wurde Glastonbury zum Wohnort der wohl ersten christlichen Gemeinde in England, Mönchen der Keltisch-Katholischen (statt Römisch-Katholischen) Kirche. Geographisch gesehen war Glastonbury im Südwesten Englands auch gut vor den Angriffen der noch heidnischen Angelsachsen geschützt. Als die germanischen Eroberer das Dorf endlich im Jahre 658 erreichten, waren sie inzwischen selbst Christen geworden, und Glastonbury wurde unter ihnen zum Sitz eines der bedeutendsten Benediktinerklöster auf den britischen Inseln. Das Kloster selbst wurde später zu einer eindrucksvollen Abtei ausgebaut, und viele Chroniker der Zeit sahen Glastonbury als „das zweite Rom“. 1184 wurden die letzten Teile der keltischen und angelsächsischen Bauten bei einem Feuer zerstört, doch unter dem Einfluss der neuen normannischen Monarchie wurde das Kloster wieder aufgebaut und die Kirchengemeinde von Glastonbury wurde an Ansehen, Wichtigkeit und Reichtum wohl nur von Westminster Abbey in London übertroffen.
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Skizze des Artuskreuzes - Nach der Zeichnung von William Camden
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Mit der Auflösung der katholischen Klöster in der Reformation unter König Heinrich VIII. im 16. Jahrhundert verlor auch Glastonbury selbst an Bedeutung. Diejenigen, die sich der Reformation widersetzten, darunter auch Richard Whyting, der letzte Abt von Glastonbury, wurden vom König gehängt und die Besitztümer der Abtei wurden an den Adel übergeben. Um schnellen Profit zu erzielen, schlachteten die Adligen die Gebäude weitgehend aus. Viele der Steine wurden für andere Bauwerke und für den Straßenbau genutzt. Im heutigen Glastonbury erinnert nur noch eine Ruine von Bauten aus dem 12.-15. Jahrhundert an die einst so imposante Abtei. Fast noch wichtiger als die belegbare Geschichte von Glastonbury sind wohl seine fiktive Hinter- gründe. Am bekanntesten ist wohl die Verbindung mit dem legendären König Artus („King Arthur“), wie sie von der mittelalterlichen Literatur gefeiert wurde. Am Ende des wohl bedeutendsten Artusromans auf mittelenglisch, dem „Morte Darthur“ von Sir Thomas Malory, wird der Tod von Artus beschrieben. Der verwundete König lässt einen der überlebenden Ritter, Sir Bedivere, sein Schwert Excalibur in den See werfen, bevor er dann auf einer Barke ins mystische Reich von Avalon segelt, um eines Tages zurückzukehren. Etwas später trifft der Ritter auf einen Eremiten, der behauptet, den Leichnam von Artus beerdigt zu haben. An dieser Stelle wird ein Schrein und später auch ein Kloster errichtet. All dies soll sich in der Gegend um Glastonbury zugetragen haben. Bedivere soll das Schwert von der Pomparles Brücke in die Brue geworfen haben; laut keltischer Überlieferung soll es von Glastonbury aus möglich sein, in die „Fairy“ Welt von Avalon zu kommen (im keltischen “Annwn” genannt), eine Geschichte die auch im Marion Zimmer Bradley-Roman „Die Nebel von Avalon“ beschrieben wird; das Grab von König Artus soll in der Abtei von Glastonbury zu finden sein.
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Ein Dornbusch auf dem Wearyall Hill
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Vieles ist natürlich nur Spekulation und Legende, aber die Mönche von Glastonbury sollen im 12. Jahrhundert tatsächlich das Grab von Artus und seiner Frau Guenivere gefunden haben. Während der Bauarbeiten an der neuen Abtei, wurde im Boden ein Grab mit einer Steinplatte gefunden, auf der sich ein bleiernes Kreuz befand. Auf dem Kreuz war zu lesen: “HIC IACET SEPULTUS INCLITUS REX ARTHURIUS IN INSULA AVALONIA“ (Hier liegt begraben der berühmte König Artus auf der Insel Avalon). Im Grab selbst sollen die Mönche dann die Gebeine eines Mannes und einer Frau (mit blonden Haaren!) gefunden haben. Glastonbury wurde daraufhin zu einer wichtigen Pilgerstätte. Viele kritische Historiker meinen jedoch, dass das Grab von Artus eine Erfindung der Mönche war, um den Wiederaufbau der Abtei zu finanzieren. Der Schrein und auch die Knochen des angeblichen Artus wurden jedenfalls in der Reformation zerstört, und auch von dem Kreuz verliert sich ab dem 18. Jahrhundert jede Spur. Fälschung oder nicht, wir wissen jedenfalls wie es ausgesehen haben soll, denn im Jahre 1607 wurde durch William Camden eine Zeichnung der Vorderseite angefertigt. Einige der heutigen Historiker sind aber weniger kritisch im Bezug auf die Mönche. Archäologische Analysen der Grabstätte in den 60ern Jahren deuten darauf hin, dass hier wirklich einmal jemand beerdigt wurde – selbst Teile eines Steinsarges wurden gefunden ! Es ist daher möglich, dass die Mönche wirklich geglaubt hatten, das eigentliche Artusgrab entdeckt zu haben. Von wem aber das bleierne Kreuz stammt, bleibt aber weiterhin unklar. Mit der Artuslegende ist auch die Geschichte des Heiligen Grals verbunden, dem Becher, in den nach der Kreuzigung das Blut von Jesus Christus geflossen ist. Joseph von Arimathea soll nach dem Tod Jesu den Gral nach England gebracht und in Glastonbury versteckt haben. Einige Legenden behaupten sogar, dass Jesus in seiner Jugend mit seinem Onkel England selbst auf einer Handelsfahrt besucht habe. Diese Idee wird im englischen Kirchenlied „Jerusalem“ gefeiert, mit den Worten „And did those feet in ancient time, walk about England’s mountains green”. Mit „those feet“ sind die Füße von Jesus gemeint. Weiterhin soll Joseph nach seiner Ankunft in Glastonbury auf dem Wearyall Hill seinen Wanderstab in den Boden gesteckt haben, worauf der Stab sich dann in einen Dornbusch („Thorn Tree“) verwandelt haben soll. Ableger dieses Baumes sind immer noch auf dem Hügel sowie im Garten der Abtei zu finden. Das Besondere an diesen Bäumen ist, dass sie im Dezember noch einmal in Blüte stehen. In der Tat handelt es sich hier auch um keinen heimischen englischen Baum, sondern um ein Gewächs, welches vor allem in Syrien zu finden ist. Bestätigt dies also die Legende von Joseph und dem Gral? Oder handelt es sich nur um ein Exemplar, welches von einem Kreuzzug oder einer Pilgerschaft aus dem Heiligen Land mitgebracht wurde ?
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Lage des Artusgrabes im Mittelalter
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Von Deutschland aus bieten sich Direktflüge nach Bristol an, aber Flugverbindungen und auch Preise sind meist günstiger für die Londoner Flughäfen. Mit dem Auto sollte man von London aus auf der M4 (vom Norden auf der M5) bis Bristol und dann weiter auf der A37 und der A39 bis Glastonbury fahren. Fahrzeit von Bristol ca. 1 Stunde. Die Innenstadt verfügt über verschiedene gebührenflichtige Parkplätze und es gibt auch ein Park and Ride System. Besucher sollten es vermeiden, die Stadt während des Glastonbury Festivals zu besuchen, da dann der Verkehr in der gesamten Gegend zum Stillstand kommt. Glastonbury hat keinen Bahnhof, daher sollten Reisende ohne Auto die Busverbindung aus Bristol über Wells nutzen.
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Glastonbury Abbey: Blick zur St. Mary's Chapel
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Mittelalter zum Wohnen: Das George & Pilgrims Hotel
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Wer Glastonbury das erste Mal besucht, wird erstaunt sein, wie kommerziell diese angeblich „letzte Hippiestadt“ doch eigentlich ist. Von kleinen privaten Geschäften bis hin zu Pubs und Pizzarestaurants, fast Alles benennt sich entweder nach König Artus oder Avalon. Wer an New Age Waren wie Meditationsmusik und Heilsteinen interessiert ist, findet hier eine Vielzahl an Shops. Im Sommer wird der kleine Ort noch von Musikfans aus dem ganzen Land belagert, die das Glastonbury Festival besuchen. Das Festivalgelände ist eigentlich auf Farmland einige Meilen außerhalb der eigentlichen Stadt angelegt. In den 70er Jahren war dies einmal ein Hippiefest, auf dem Bands umsonst gespielt haben. Inzwischen ist hieraus aber ein 3-tägiges Fesitival geworden, auf dem so ziemlich alles von Tony Bennett über David Bowie und REM bis hin zu den Red Hot Chillie Peppers spielt. Trotz der inzwischen enorm hohen Eintrittspreise ist das Festival meist innerhalb mehrerer Stunden ausverkauft. Organisiert wird das Ganze aber nach wie vor noch von dem Landwirt Michael Eavis. Wer es eher historisch mag, sollte sich auf jeden Fall zuerst die alte Abtei, Glastonbury Abbey, ansehen. 1908 wurde die Ruine von der anglikanischen Kirche gekauft und auch vor dem weiteren Zerfall geschützt. Der Eintritt ist gebührenflichtig, enthält aber eine recht ausführliche Audiotour sowie eine Austellung über die Geschichte von Glastonbury und der Abtei. Hier sind auch weitere Ausgrabungsfunde ausgestellt. Vorsicht bei der Besichtigung der Grabstätte von König Artus! Das was aussieht wie ein Grab, ist eigentlich der Standort des mittelalterlichen Schreins. Das angebliche Grab befindet sich im Friedhof der Abtei und ist nicht direkt gekennzeichnet. Im Garten kann auch der oben beschriebene Dornbusch besichtigt werden.
Weitere Dornbüsche sind auf Wearyall Hill zu finden. Der Weg dorthin ist nicht durch Schilder gekennzeichnet, und man sollte daher im Touristikbüro auf der High Street nach einer kostenlosen Landkarte fragen. Der Standort des ursprünglichen Baums ist mit einer Steintafel vermerkt. Glastonbury Tor, ein Hügel im Nordosten der Stadt, ist fast so etwas wie ein Wahrzeichen für Glastonbury. Auf dem Tor befindet sich ein mittelalterlicher Festungsturm (vielleicht auf ein Teil einer alten Kirche), der St. Michael’s Tower, der aber derzeit restauriert wird und daher leider nicht sehr ästetisch wirkt. Der Name „Tor“ bezieht sich aber entgegen vieler Meinungen aber auf den Hügel und nicht auf das Bauwerk. Von hier aus hat man einen imposanten Blick auf Glastonbury und das Umland.
Am Fuße des Chalice Hill, auf direktem Weg zwischen Innenstadt und dem Glastonbury Tor, befindet sich Chalice Well. Dies ist eine Quelle, deren Wasser angeblich Heilkräfte besitzt. Es werden Vergleiche mit dem Gral und dem Blute Jesu gezogen. Da das Wasser eine leicht rot-braune Farbe hat, wird die Quelle auch als „Blood Spring“ bezeichnet. Die Quelle war schon im Mittelalter bekannt, und wird in einigen englischen Gralsromanen erwähnt. Der Garten und die Quelle gehören dem Chalice Well Trust, einer religiösen Gruppe, die sich als die Hüter des Wassers sehen. Der Eintritt ist daher gebürenflichtig, aber das Abfüllen von der Quelle ist kostenlos. Bis auf die alte Abtei sind leider nur noch wenige Bauwerk aus dem Glastonbury des Mittelalters erhalten geblieben. Auf der High Street gibt es aber noch das sogenannte Tribunal, ein Kirchengericht aus dem 14. Jahrhundert. Heute beherbergt es ein kleines Museum für Funde aus der Eisenzeit, sowie auch das Touristikbüro. Auf der gleichen Straße befindet sich auch das George & Pilgrims Hotel, dessen Hauptgebäude ebenfalls im späten Mittelalter erbaut wurde.
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(c) by Richard Malory
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Arthur Tudor - englischer Kronprinz / Ely
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