Historisch gesehen endet das englische Mittelalter mit der Schlacht von Bosworth Field ( 22. August 1485 ). König Richard III. wird in dieser letzten großen Auseinandersetzung der „Rosenkriege“ zwischen den Häusern von Lancaster und York getötet und der Waliser Henry Tudor ( Henry VII. ) lässt sich zum neuen Monarchen krönen. Viele Ideen des Mittelalters leben jedoch weiter, und so bleibt auch die Artussage nach wie vor ein beliebtes Propa- gandamittel des Königshauses. Im 13. Jahrhundert hatte Edward III. noch die Idee, seine Herrschaft mit der des legendären King Arthur zu vergleichen und das Konzept des „Runden Tisches“ und der „Ritter der Tafelrunde“ neu aufleben zu lassen. Aus dieser Idee wurde letzten Endes der „Order of the Garter“, ein Ritterorden mit zahlenmäßig limitierter Mitgliedschaft, der auch im heutigen Grossbritannien noch besteht, ins Leben gerufen. Wie einst Henry IV., so musste auch Henry VII. sich sein Recht auf den englischen Thron absichern und auch für die kommenden Generationen bewahren. Als Erstes vereinte Henry die zerstrittenen Häuser von Lancaster und York durch seine Heirat mit Elizabeth von York und garan- tierte so, dass der Name Tudor in Zukunft unangefochtenen Anspruch auf die Krone Englands hatte. Als dann aber am 20. September 1486 sein erster Sohn geboren wurde, kam Henry die Idee, wie er seine Familie mit einer noch viel älteren könig- lichen Linie verbinden könnte: “HIC IACET ARTHURUS, REX QUONDAM REXQUE FUTURUS”. Das angebliche Grab des König Arthur in Glastonbury Abbey besagt mit seiner Grabinschrift, dass Arthur der „ehemalige“ und auch der „zukünftige“ König Britanniens sei. Die Inschrift wird auch von Sir Thomas Malory in seinem bedeutendem Artusroman „Le Morte Darthur“ wiederholt, ein Werk welches 1485 von dem Drucker William Caxton veröffentlich wurde und daher dem neuen Monarchen und dem restlichen Adel durchaus ein Begriff gewesen sein mag. Laut der Legende soll Arthur eines Tages zurückkehren, um seine Nation erneut anzuführen. Als es also dazu kam, einen Namen für den neugeborenen Sohn zu finden, spielte Henry VII. auf das Vermächtnis des legendären Königs an, und benannte ihn Arthur Tudor, Prince of Wales. Durch Henrys Bemühungen würde England nach seinem Tod wieder einen King Arthur auf dem Thron haben!
Dieser Traum sollte jedoch nicht in Erfüllung gehen. 1489 schloss Henry ein wichtiges Bündnis mit dem spanischen König Ferdinand, welches zu der Hochzeit von Arthur mit dessen Tochter, der spanischen Prinzessin Katharina von Aragon, führte. Arthur und Katharina heirateten in der Londoner Kathedrale von St. Pauls im November 1501 und bezogen kurz dannach ihre neue Residenz im Ludlow Castle, an der Grenze zwischen England und Wales. Der Erfolg der neuen Tudor Dynastie sah innen- wie auch außenpolitisch gesichert aus. Am 2. April 1502 jedoch, nur wenige Monate nach der Eheschliessung, starb Kronprinz Arthur nach einer kurzen Krankheit, und Britannien verlor die Chance einer zweiten Artuslegende. Der Tod von Prince Arthur hatte aber weitaus wichtigere Aus- wirkungen auf die Geschichte Englands, als nur der Verlust einer Artusfigur. Die Pläne von Henry VII. im Bezug auf den erstgeborenen Sohn waren zwar fehlgeschlagen, aber die wahre Stärke der Tudor Monarchie wird deutlich durch ihre Brillianz, auch diesen Niederschlag in einen Erfolg umzuwandeln. Das erste Problem war das Bündnis mit Spanien, welches durch den Tod des Kronprinzen gefährdet war. Zuerst überlegte König Henry, ob er nicht selbst die Witwe seines verstobenen Sohnes heiraten sollte, um den Vertrag mit Spanien zu erfüllen. Am Ende vermählte er aber Katharina von Aragon mit seinem zweiten Sohn Henry, der durch den Tod von Arthur zum neuen Thronfolger und Prince of Wales gemacht wurde. Aus diesem zweiten Sohn wurde später Heny VIII., der vielleicht bekannteste und berüchtigste aller englischen Könige. Anmerkung: Besucher der Great Hall in der südenglischen Stadt Winchester können den sagenhaften Runden Tisch des König Arthur besichtigen. Die Idee des „Round Table“ ist natürlich Legende und wird zum ersten Mal in der Chronik des anglo-normannischen Dichters Wace („Roman de Brut“, 1155) erwähnt. Bei der Tischplatte (die Beine sind nicht erhalten geblieben) handelt es sich um ein mittelalterliches Replikat, dessen genauer Ursprung leider nicht bekannt ist, das oft aber Edward III. zugesprochen wird. Auffallend ist aber die Bemalung des Tisches, dessen Mitte von einer rot-weissen Tudorrose geschmückt wird. Die Tischplatte wurde anscheinend in 1522 für einen Staatsbesuch des Kaisers Karl V. restauriert und nach Tudoransprüchen verändert. Am Kopf des Tisches ist ein Gemälde, welches König Artus darstellt, aber eigentlich das Gesicht eines jungen Henry VIII. zeigt. Dies bezeugt, dass die Tudor Familie, selbst nach dem Tod von Prince Arthur, noch auf einer Verbindung mit der Artuslegende Wert legte. Die wahre Artusreinkarnation heisst demnach nicht Prince Arthur, sondern King Henry VIII.
(c) by Richard Malory
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