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Lebenslauf und Werdegang einer Heiligen

Die am 16. September 1098 n.Chr. geborene Hildegard von Bingen ist
die Tochter der Edelfreien Hildebertus und Mechthild von Bermersheim.
Sie hatte noch neun weitere Geschwister, die aber alle älter waren. Schon
in früher Kindheit hatte sie immer wieder Visionen und Eingebungen. Später
sollte sich herausstellen, warum dies so war.

Mit acht Jahren wurde sie, mit weiteren fünfzehn Mädchen, in die Obhut der
Äbtissin Jutta von Sponheim gegeben, und kam in deren neu gegründete
Frauenklause auf dem Disibodenberg in der Nähe von Bad Kreuznach. Dort
gab es schon um 640-700 n.Chr. irische Mönche, die eine klösterliche Ge-
meinschaft bildeten. Hildegard von Bingen, eigentlich Bermersheim, lernte
nun Grammatik, Latein, Lesen und die Ordensregeln des hl. Benedikt. Sie
wurde auch von ihrem späteren Sekretär und Mönch Volmar unterrichtet.

Mit sechzehn Jahren, also etwa im Jahre 1114 n.Chr. entschied sie sich
endgültig, im Kloster nach der Benediktusregel zu leben. Nachdem sie nun
die monastischen Gelübde ablegte, erhielt sie vom Vertreter des Erzbischofs
von Mainz, dem heiligen Bischof Otto von Bamberg, den Ordensschleier.

Im Jahre 1136 n.Chr., da war Hildegard von Bermersheim schon 38 Jahre alt,
starb ihre Meisterin Jutta von Sponheim, deren Platz sie von nun an einnahm.
Dies wurde einstimmig beschlossen. Ermutigt von den Briefwechseln mit Bernhard
von Clairvaux, und unterstützt von Probst Volmar, ihrem Sekretär und der Nonne
Richardis von Stade, begann sie, ihre Visionen, wie auch ihre Vorstellungen in
Anthropologie und Theologie in lateinischer Sprache nieder zu schreiben. Das
vielleicht wichtigste Werk enthält fünfunddreißig kunstvoll gemalte Miniaturen,
und brauchte etwa sechs Jahre zur Fertigstellung im Jahre 1152 n.Chr.. Sein
Name lautet Liber Scivias Domini = Wisse die Wege des Herrn. Teile des Werkes
erreichten sogar Papst Eugenius III., was den Unterschied Hildegards´ zu anderen
Nonnen oder Äbtissinnen nochmal verdeutlichte.

1147 n.Chr. verließ Hildegard von Bermersheim die Klause auf dem Disibodenberg,
und kaufte, von einer Vision getrieben, den Kanonikern von Mainz den Rupertsberg
bei Bingen ab, der, wie sich bald rausstellen sollte, nur in der Vision von Anfang
an schön und geeignet war. Hildegard von Bermersheim fand eine herunterge-
kommene Ruine vor, an der sie und weitere zwanzig adelige Nonnen aus reichem Elternhaus, eine Menge zu arbeiten hatten. Nach 1150 n.Chr. entstand ein weiteres
Werk durch die Hand von Hildegard von Bermersheim. Causae et Curae = Ursachen
und Heilungen. Bald darauf folgte das Werk Liber subtilitatum diversarum naturarum creaturarum = Buch über das innere Wesen der verschiedenen Kreaturen und
Pflanzen. Nach großen Startschwierigkeiten wurde nun am 1. Mai 1152 n.Chr. die
fertige Kirche des Klosters, durch Erzbischof Heinrich I. von Mainz, eingeweiht.
Hildegard von Bermersheim erkämpfte für sich und ihr Kloster das Recht der
materiellen Unabhängigkeit. Nur der Erzbischof von Mainz sollte Schutzherr
ihres Klosters sein. Weltliche Vögte lehnte sie strikt ab.

Bald schon trennte sie sich gänzlich von der Klause auf dem Disibodenberg, und
nahm sich ohne Gegenwehr einige Mönche mit auf den Rupertsberg, die sie dort
als Seelsorger einzusetzen wünschte. Weiterhin mußte sich der Abt vom
Disibodenberg verpflichten, sich nicht mehr in die Äbtissinnenwahl einzumischen.
Bekräftigt wurde das Ganze durch die Urkunde des Erzbischofs Arnold von Mainz
am 22. Mai 1158 n.Chr. Fünf Jahre später folgte dann der Schutzbrief des Kaisers
Friedrich Barbarossa vom 10. April 1163 n.Chr.. Schon zwei Jahre später,
1165 n.Chr., gründete Hildegard von Bingen ein zweites Kloster.

Sie baute das ehemalige Augustinerkloster in Eibingen, welches gebrandschatzt
wurde, wieder auf. Der Aufbau ging unter ihrer Leitung so schnell vorran, dass
sogar noch im selben Jahr die ersten Nonnen Teile des Gebäudekomplexes,
sowie die Kirche, bewohnten und benutzen konnten. Sie fuhr dann angeblich
zwei mal in der Woche mit einem Boot dorthin, um nach dem rechten zu sehen.

In der Nacht zum 17.9.1179 n.Chr. starb Hildegard in ihrem Kloster auf dem
Rupertsberg bei Bingen, und hinterließ ihrer Nachwelt zahlreiche Lobgesänge,
Schriften und weise Ratschläge über Natur und Medizin.



Ihre Werke in der Zusammenfassung

Liber Scivias Domini ( 1141 - 1147 n.Chr. )
Liber vitae meritorum ( Fertigstellung 1163 n.Chr. )
Liber divinorum operum ( ca. 1163 - 73 / 74 n.Chr. )
Physica ( Fertigstellung 1158 n.Chr. )
Causae et curae ( Fertigstellung 1158 n.Chr. )
Liber subtilitatum diversarum naturanum creaturarum


Titel : de: Hildegardis-Codex, sogenannter Scivias-Codex, Szene: Das Weltall
The Yorck Project: 10.000 Meisterwerke der Malerei. DVD-ROM, 2002.
ISBN 3936122202. Distributed by DIRECTMEDIA Publishing GmbH.



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