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Der Stoff aus dem Legenden gemacht sind: Wie eine hungernde und von Kämpfen erschöpfte englische Armee ihren zahlenmässig überlegenen französischen Gegner bezwingt. Der englische König Henry V. saß nur verhälnismässig kurz - von 1413 bis 1422, 9 Jahre also – auf dem Thron. Dennoch wird er von der Geschichte als einer der fähigsten und erfolg- reichsten englischen Könige dargestellt, der seinem Land vielleicht den größten militärischen Erfolg über den alten Gegner Frankreich erbrachte. Henry war 26 Jahre alt, als sein Vater, Henry IV., starb und er in Westminster zum König gekrönt wurde. Der junge Henry hatte aber schon einige Erfahrung auf dem Schlachtfeld gesammelt, unterstützte er doch tatkräftig seinen Vater gegen die Rebellion des Walisers Owen Glendower und des Earls of Northumberland. Als erneuter Konflikt mit Frankreich drohte, war der neue König Henry also bestens geeignet, seine Truppen als General zu kommandieren.
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England hatte schon lange mit Frankreich im Krieg gestanden, eine Auseinandersetzung die nicht umsonst von Historikern als “the Hundred Years’ War” bezeichnet wird. Dieser Name ist aber eingentlich schon so etwas wie Untertreibung, denn das ganze fand zwischen den Jahren 1337 und 1453 statt, und selbst davor bekriegten sich die beiden Nationen schon häufig. Dieser hundertjährige Krieg symbolisiert also lediglich eine Zeit der intensiveren militärischen Kampagnen zwischen England und Frankreich. Grund für den Ausbruch dieses Krieges war wohl, daß England die Kontrolle über die Gascogne im Südwesten Frankreichs ausübte. Das Frankreich des Mittelalters war kein ein- heitliches Königreich, wie es später einmal der Fall sein sollte und gewisse Landesteile - wie beispielsweise Burgund - wurden nicht von der französischen Krone beherrscht. Seit der Eroberung Englands durch William the Conqueror im Jahre 1066 waren das englische Königshaus und der gröte Teil des Adels von normannischer Abstammung und besaßen daher auch Grafschaften auf dem europäischen Festland. Frankreich akzeptierte die englischen Besitzrechte über die Gascogne nicht und wollte zudem ein Handelsembargo brechen, welches der englische König Edward III. über Flandern ausgerufen hatte. Das Resultat dieses Streits war, daß Edward Anspruch auf den Thron von Frankreich erhob, da seine Mutter, Isabel, eine Tochter des französischen Königs Charles IV. war. Er forderte, daß der französische König Phillipe VI abdanken sollte, da er selbst der rechtmäßige Erbe der Krone Frankreichs sei. Die Franzosen wiesen diesen Anspruch ab, und bezogen sich auf die Lex Salica, ein Gesetz aus dem 6. Jahrhundert, welches besagte, daß bei adligen Familien der älteste Sohn Alleinerbe sei. Edward III. hingegen ließ durch seine königlichen Historiker belegen, daß die Lex Salica nur auf Gebiete in Deutschland und nicht auf Frankreich zutreffe. So wurde aus dem Streit um eine Grafschaft ein Konflikt um eine gesamte Nation. Edward III. und sein Sohn, genannt Edward the Black Prince of Wales, waren recht erfolgreich im Kampf um ihr angebliches Erbe. 1346 bei der Schlacht von Crécy konnten sie ihren ersten großen Sieg über das Militär Frankreichs verbuchen. Dieser wurde dann ein Jahr später bei der Schlacht von Poitiers in den Schatten gestellt, als der französische König Jean II. ein Gefangener der englischen Truppen wurde. Dies führte zum Vertrag von Brétigny-Calais, welcher den Engländern Anspruch auf die Stadt Calais und eine beträchtliche Erweiterung ihrer Besitztümer in der Bretagne gab. Doch dieser Erfolg war nur von kurzer Dauer, denn Edward, the Black Prince of Wales, starb noch ehe er selbst den Thron besteigen konnte. Nach dem Tod von Edward III., war es daher der zehnjährige Sohn des schwarzen Prinzen, Richard II., der die Krone Englands empfing. Geschichtlich gesehen hat ein kindlicher Monarch eigentlich fast immer negative Auswirkungen für sein Land. Unter ihm und seinen Regenten verlor England einen großen Teil seiner Macht in Frankreich. Als im Jahre 1388 ein Waffenstillstand zwischen den beiden Nationen verkündet wurde, waren nur noch Calais, Bordeux und Bayonne unter englischer Herrschaft.
Richard II. hatte genügend Problem im eigenen Land, als dass er sich um einen Anspruch auf Frankreich kümmern konnte. Unter ihm erlebte England die Folgen der Pest, einen Bauernaufstand und eine Rebellion geleitet vom Großteil des englischen Adels. In der Tat musste Richard am Ende abdanken, um von Henry IV., dem Vater von Henry V., ersetzt zu werden. Hier beginnt eigentlich unsere Geschichte um die Schlacht von Agincourt.
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Es ist nicht sicher, warum der englische Anspruch auf den Thron Frankreichs gerade unter Henry V. auf ein Neues erblühte. Ein Grund war sicher der Ehrgeiz des neuen Königs, der wohl in Allem ein Gewinner sein wollte, ob auf dem Schlachtfeld oder auf dem königlichen Tennisplatz. Letzteres wird nicht durch Zufall erwähnt, denn wenn man den Geschichten um Henry Glauben schenken darf, war er in seiner Jugend mehr an solchen Wettkämpfen interessiert als an Politik oder an militärischer Taktik. Es wird berichtet, dass ihm der französische Thronfolger zum Spaß einen Satz Tennisbälle geschickt hatte, da es nach seiner Meinung dem König noch an der notwendigen Reife mangele. Solle er doch lieber noch ein wenig Tennis spielen, anstatt zu versuchen, den Feldherrn darzustellen. Im Shakespeare-Stück Henry V wird diese Szene besonders gut dargestellt, mitsamt der Antwort Henrys, dass er mit den französischen Truppen einen Satz spielen, aber statt Tennisbällen Kanonen- kugeln verwenden werde. Ob Henry wirklich vom Dauphin Tennisbälle geschickt bekam, wird von Historikern heute meist bezweifelt. Dennoch wurde diese Geschichte, wenn auch wohl erfunden, weiterhin ausgearbeitet und gibt uns ein gutes Beispiel, wie Henry denn wohl von späteren Generationen gesehen wurde. Wie in ritterlichen Legenden wächst er vom verspielten Jugendlichen zu einem vorbildlichen König heran. Wenn man die Herrschaft Henry V. kritisieren möchte, könnte man meinen, dass sein erneuter Krieg mit Frankreich nur eine Finte sei, um von Problem im eigenen Land abzulenken. Das Haus von Lancaster war nicht gerade sicher auf dem Thron von England. Henry IV. hatte zwar die Abdankung von Richards II. bewirkt, doch hierdurch hatte er auch den Präzedenzfall dafür gesetzt, dass ein König nicht auf Lebzeiten regiert, sondern bei schlechten Entscheidugen vom Adel abgesetzt werden kann. Henry V. hatte dies ja in seiner Jugend erfahren, mitsamt der Rebellion des Earl of Northumberland, die ja schon oben einmal erwähnt wurde. Militärischer Erfolg im Ausland, und gerade gegen den Erzgegner Frankreich, würde Henry die Unterstüzung seines Adels sichern. All dies ist weit entfernt vom romantischen Bild des Königs, der um sein rechtmäßiges Erbe kämpft. Egal was nun der eigentlich Grund für den Krieg war, etwas Wahrheit wird in dieser Theorie mit Sicherheit sein. Die Entscheidung einen militärischen Schlag gegen Frankreich zu führen, war jedenfalls beliebt beim englischen Adel, der dem König hierzu auch freiwillig finanziellen Hilfen gab. Henry landete mit seinen Truppen in der Nähe der Stadt Harfleur an der Nordküste Frankreichs. Ziel war, das eroberte Harfleur als Ausgangsbasis für eine Angriff auf Paris zu benutzen. Die Tatsachen sahen jedoch anders aus. Als Harfleur nach sechswöchiger Belagerung endlich kapitulierte, waren viele der Engländer im Sumpf um die Stadt an der Dysenterie erkrankt. Henry verlor so ein Drittel seiner Männer, und ein Feldzug gegen Paris war so unmöglich geworden. Die einzige mögliche Entscheidung war, Harfleur zur Garnisonsstadt zu machen und die restlichen Truppen wieder auf direktem Wege nach England zu bringen. Henry traf jedoch die Entscheidung, seine Truppen lieber der Sicherheit von Calais anzuvertrauen. So konnten weitere Truppen von England abgewartet und der Krieg im nächsten Jahr direkt fortgesetzt werden. Ein Marsch nach Calais bedeutete aber eine Reise von mindestens 150 Meilen, und das durch feindliches Land. Daher war es kein Wunder, dass die
Truppen Henrys bald auf Probleme trafen. Nachdem sie gezwungen waren, wegen des Verlaufs der Somme einen längeren Umweg nach Süden zu nehmen, fanden sie dann in der Nähe von Agincourt den direkten Weg nach Calais von einem Aufgebot an französischen Truppen versperrt. Die französische Armee war ausgeruht und zwischen 50.000 bis 60.000 Mann stark. Die Engländer waren erschopft und viele waren krank. Alles in Allem zählte die englische Seite nur 5.000 bis 6.000 Mann.
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Die Chroniken berichten von zwei verschiedenen Lagern in der Nacht vor der Schlacht. Die Franzosen sind selbstsicher, und die Vertreter des Adels halten untereinander Wetten ab, wer denn am nächsten Morgen die meisten Gefangenen nehmen wird. Das englische Lager hingegen ist erwartungsgemäß still. Hier scheint man den kommenden Morgen nicht herbeizusehnen. Im Shakespeare Stück ist es gerade diese Nacht, die der König nutzt, um unerkannt zwischen seinen Männern von Zelt zu Zelt zu gehen. Nicht als König, sodern als normaler Mann. Die Frage ist hier, wieviel Verantwortung ein Monarch für seine Untergebenen hat, und ob sie ihm blind folgen sollten, egal wie er entscheidet. Dies ist ein interessanter Punkt, gerade weil Henrys Vater sich ja selbst gegen einen König gestellt hat und dessen Abdankung bewirkte. Das Bühnenstück zeigt dann, wie Henry auf seine Knie fällt und um den Beistand Gottes fleht. Die Sünden seiner Familie sollen vergessen sein, da er der neue Richard II. sei. Am nächsten Morgen standen sich die beiden Armeen auf dem sumpfigen Boden in der Nähe der Dörfer Agincourt und Tramecourt gegenüber. Die englischen Truppen hatten ihre Pferde zurückgelassen und traten dem Gegner als eine Reihe von Fußsoldaten entgegen, auf drei Befehlshaber verteilt. Die Mitte wurde von Henry selbst befehligt, während die Gruppe zu seiner Rechten vom Duke of York, die Gruppe zu seiner Linken von Lord Camoys geleitet wurde. Auf den äußersten Seiten wurden zwei Gruppen von Bogenschützen eingesetzt, um die Flanken der Truppen zu schützen. Weiterhin war noch eine Gruppe von Bogenschützen im Wald in Richtung Tramecourt versteckt. Wegen des Mangels an Soldaten hatten die englischen Truppen keine Reserve, aber eine kleine Gruppe von Bogenschützen wurde damit beauftragt, den Gepäckzug hinter der englischen Linie zu sichern. Die Franzosen hingegen hatten kein Problem, was die Anzahl ihrer Soldaten anging und stellten sich ihrem Gegner mit zwei Divisionen Infanterie entgegen, die auf zwei Reihen verteilt wurden. Die Spitze wurde vom Constable d’Albret (dem jungen Oberbefehlshaber der französischen Armee) zusammen mit den Herzögen von Orleans und Bourbon angefürt. Die zweite Division stand unter dem Befehl der Herzöge von Alençon und Bar. Eine Gruppe an Kavallerie bildete die dritte Reihe unter dem Grafen von Masle. Zwei weitere Gruppen von berittenen Soldaten wurden auf die beiden Flanken der ersten Reihe verteilt. Daher standen die französischen Bogenschützen vor einem Problem. Wegen der vorgerückten Kavallerie mussten sie in der zweiten Reihe verweilen, welches ihre Schussweite erheblich beeinträchtigte. Durch den Wald waren die Truppen zu beiden Seiten eingeengt, und durch die Größe der Armee war ihnen hierdurch die Bewegungsfreiheit genommen. Französische Quellen berichten sogar, dass aus Platzgründen vor der Schlacht 4.000 Armbrustschützen abgezogen wurden. Historiker scheinen sich einig zu sein, dass die Ordung der französischen Truppen auf einen übereilten Schlachtplan d’Albrets zurückzuführen ist. Ihm fehlte wohl die nötige Erfahrung, eine so große Armee zu kommandieren, und die Fehler, die er im Bezug auf die Bogenschützten und die Kavallerie machte, wurde allen Franzosen zum Verhängnis. Shakespeares Fassung bietet an diesem Punkt eine der großen Schlachtreden der Literatur. Drehbuchschreiber von Hollywoodfilmen wie Braveheart oder Gladiator basieren immernoch viele ihre heroischen Reden auf diese Szene des Theaterstücks. Henry endet das Ganze mit den Worten:
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But we in it shall be remembered, - We few, we happy few, we band of brothers; For he to-day that sheds his blood with me Shall be my brother; be he ne’er so vile, This day shall gentle his condition: And gentlemen in England now a-bed Shall think themselves accur’st they were not here; And hold their manhoods cheap whilst any speaks That fought with us upon Crispin’s day.
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Gepäckzug - Bogenschützen
Bogenschützen
Bogenschützen
Bogenschützen, versteckt im Wald
Kavallerie 1
Bogenschützen 1
Bogenschützen 2
Kavallerie 2
Kavallerie 3
1. Division - Infanterie Alencon + Bar
2. Division - Infanterie d`Albert + Orleans + Bourbon
Duke of York
Henry V.
Lord Camoys
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oben - Die Aufstellung der Heere bei Beginn der Schlacht (c) by Richard Malory
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Dieses Mal hat es sich umgekehrt, denn der Köning ist kein normaler Mann wie am Abend vor der Schlacht, sondern einfache Männer können zu Brüdern Henrys werden, wenn sie nun an seiner Seite kämpfen. Diejenigen, die zu Hause in England verweilen mussten, sind die Verlierer, denn sie werden diese Chance niemals haben. Sie werden nicht mit ihren Wunden angeben können, die sie als Helden am Tag des heiligen St. Crispianus (also dem 25. Oktober) bekommen haben. So standen sich die beiden Armeen für wohl drei Stunden gegenüber. Henry hatte einen Angriff der Franzosen erwartet, der aber nicht kam. Noch waren die Truppen auch zu weit voneinander entfernt, um Bogenschützen einzusetzen. Der englische König hatte seine Truppen für die Defensive vorbereitet und angeordnet, der ersten Reihe entlang Lanzen in den Boden zu rammen, um eine französischen Kavallerie- attacke besser abzuwehren. Einige Chroniken behaupten auch, die Engländer hätten einen Trupp Soldaten hinter die französischen Linen geführt, um sie mit einem Hinterhalt von hinten anzugreifen und zur Bewegung zur zwingen. Selbst wenn dies stattgefunden hat, so hat es nichts bewirkt, denn die Franzosen hielten ihre Position. Warum d’Albret seine Soldaten nicht in den Kampf schickte, ist unklar. Viele Historiker sind aber der Ansicht, dass er nicht die gleichen Fehler wie seine Vorgänger bei den Schlachten von Crécy und Poitiers begehen wollte. Dort hatten die Franzosen auch zuerst angegriffen und wurden von den Engländern besiegt. Außerdem scheint d’Albret Probleme mit der Disziplin seiner Kavallerie gehabt zu haben, die laut dem urspünglichen Plan, die englischen Bogenschützen hätten niederreiten sollen. Henry gab nur widerwillig die relative Sicherheit seiner Position auf, konnte seine geschwächten Soldaten – die Dysenterie machte noch immer die Runde – aber nicht länger nur auf dem Schlachtfeld stehen lassen. Er gab den Befehl zum Angriff. Die gesamten englischen Truppen stürmten auf ihren Gegner zu, kamen zum Stehen und bauten sich in gleicher Position wie vorher wieder auf. Dieses Mal aber waren die englischen Bogenschützen in Reichweite (die der Franzosen nicht, da sie ja in der zweiten Reihe standen), und so ließen sie ihre Pfeile auf die Franzosen hinabregnen. Das Vorrücken der Engländer wurde durch eine gleichzeitige Attacke der bisher im Wald verborgenen Bogenschützten unterstützt, die ihren Kameraden aus der Ferne Deckung gaben. Die folgende Kavallerieattacke der französischen Reiter wurde zum Chaos. Viele waren schon durch die Pfeile der englischen Langbögen verwundet oder getötet noch ehe es zum ersten Feindkontakt kam. Die hinteren Reihen mussten sich durch die Leichen der gefallenen Reiter und Pferde hindurch- kämpfen, bevor sie die englischen Fußsoldaten erreichten. Wegen der Größe der eigenen Armee wurde ihnen die Bewegungsfreiheit genommen, und es wird berichtet, dass in dem Gedränge viele nicht einmal dazu kamen, ihre Schwerter zu ziehen. Die englischen Bogenschützen hatten sich nun auf den Seiten aufgestellt, um die Flanken der Franzosen direkt zu beschießen. Schon so früh in der Schlacht gelang es den Engländern, viele Gefangene zu nehmen, unter ihnen die Herzöge Orleans und Bourbon und sogar d’Albret selbst. Als er sich jedoch dem englischen König zu erkennen gab und ihm seinen Helm reichte, wurde er von einem der Leibwächter Henry’s erstochen, der die Geste als einen Angriff interpretiert hatte. Eine Reihe französischer Truppen, die durch die englische Menge durchgebrochen war, begann nun den Gepäckzug anzugreifen. Henry befahl daraufhin, alle nichtadligen Gefangenen zu exekutieren, damit diese nicht wieder in den Kampf eingreifen konnten. Dies ist einer der umstrittensten Befehle des Königs. Französische Historiker sehen dies allgemein als eine Greueltat Henrys an, die wohl einem Kriegsverbrechen nahe kommt. Das Abschlachten von unbewaffneten Gefangenen verstößt mit Sicherheit auch gegen die Regeln der mittelalterlichen Kriegsführung, aber viele - meist englische - Akademiker kritisieren im Gegenzug immer das französische Verhalten, den Gepäckzug anzugreifen. Bei Shakespeare ermorden die Franzosen zuerst die Kinder und die Kranken, die ihr Lager bei dem Gepäckzug haben, bevor Henry die Anweisung gibt, die Gefangenen zu töten. Die zweite Division der französischen Infanterie begann nun mit ihrem Angriff, doch dieser war recht halbherzig – viele Soldaten waren durch die hohe Zahl ihrer gefallenen Kameraden verunsichert - und wurde so recht schnell abgewehrt. Ein Großteil der übrigen Franzosen ergriff die Flucht und König Henry V. und seine englischen Truppen hatten die Schlacht von Agincourt gewonnen. Unter den Toten Frankreichs waren d’Alencon, drei Herzöge, neun Grafen und 5.000 Ritter und gemeine Soldaten. Die englischen Verluste waren viel geringer: Edward, Duke of York (der an Übergewicht litt und wohl in seiner Rüstung erstickt war), ein Earl, sechs Ritter und um die 500 Soldaten.
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Glaubt man Shakespeare, so brachte die Schlacht von Agincourt den allgemeinen Sieg über Frankreich: Henry heiratete Katharina von Valois, die Tochter des französischen Königs Charles VI. und der Isabella von Bayern und sicherte damit, dass sein Sohn, Henry VI., König von England und Frankreich werden würde. In der Realität sieht die Angelegenheit aber ein wenig anders aus. Taktisch gesehen bewirkte Agincourt nur recht wenig, denn die siegreichen Engländer mussten dennoch in Calais überwintern und ihre weiteren Angriffe auf Frankreich von Neuem planen. Die nächste Kampagne gegen Frankreich fand erst 1417 statt. Dennoch war dieser Sieg bedeutender, als er heute vielleicht zu erscheinen mag. Der Kampfgeist der Engländer wurde gestärkt und Henry hatte sich die Unterstützung der Adligen entgültig gesichert. Außerdem war ein großer Teil des französischen Adels bei der Schlacht ums Leben gekommen und der Wiederaufbau der Streitkräfte wurde erschwert. Der Weg war frei- geräumt und das half Henry später, die gesamte Normandie zu erobern und den Vertrag von Troyes zu erzwingen. Dieser besagte, dass König Charles VI. noch zu Lebzeiten auf dem Thron verweilen dürfe, aber dass nach seinem Tode die Krone Frankreichs an Henry V. übergehen werde. Das letztere wurde jedoch nie durchgeführt, da Henry V. 1422 - vor seinem französischen Schwiegervater also – wie schon viele seiner Soldaten vor ihm an der Dysenterie starb. Nachfolger wurde sein Sohn Henry, der noch nicht mal ein Jahr alt war, und England hatte wieder ein Kind auf dem Thron. Dies führte zum bekannten Rosenkrieg zwischen den Familien von Lancaster und York und beendete auch die Bemühungen, Frankreich zu erobern. Wie Shakespeare abschließend sagte:
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Henry the Sixth, in infant bands crown’d king Of France and England, did this king succeed; Whose state so many had the managing, That they lost France, and made his England bleed.
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(c) by Richard Malory
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1387 - Die Schlacht von Radcote Bridge
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